Praktikum in Frankreich: Was müssen Unternehmen beachten?

Publiée le 23 octobre 2013, par Jérôme Lecot

Für Unternehmen in Frankreich, die Praktikanten beschäftigen, gelten einige Regeln, die beachtet werden müssen. Wir haben Olivier Jacquemond von Eurojob Consulting zu dem Thema ein paar Fragen gestellt.

EUREO: Welche Regeln gelten für Praktika in Frankreich?

Olivier Jacquemond: Vor allem seit der Verabschiedung des Gesetzes zur Chancengleicheit am 31. März 2006 unterliegt die Beschäftigung von Praktikanten strengen Kontrollen. So soll vermieden werden, dass angestellte Mitarbeiter durch Praktikanten ersetzt werden. Daher muss es heute eine Praktikumsvereinbarung geben, die zwischen einem Unternehmen, dem Praktikanten und einer Bildungseinrichtung geschlossen wird. Denn meist gilt: Das Praktikum muss im Rahmen einer Ausbildung vorgeschrieben sein.

Das heißt, ein Praktikant muss studieren oder eine Ausbildung machen?

OJ: Ja, in der Regel ist das der Fall. Und jedes Mal muss eine Vereinbarung zwischen den drei erwähnten Parteien getroffen werden. Außer, wenn ein Praktikant jünger als 16 Jahre ist. Das gilt für alle Unternehmen, also private und öffentliche. Aber auch Non-Profit-Organisationen sind davon betroffen. Praktikant kann ein Student einer technischen Hochschule oder sonstigen Hochschule sein oder ein Student, der dabei ist, einen höheren Abschluss, wie eine Masterarbeit zu machen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

OJ: In der Praxis gibt es meist seitens der entsendenden Bildungseinrichtung eine Mustervereinbarung, die dem Praktikums-Vertrag zugrunde gelegt werden kann. Sie wird von allen Beteiligten unterzeichnet, also, wie gesagt, von einem Vertreter des Unternehmens, dem Praktikanten und der Hochschule. Die Vereinbarung sollte eine gewissen Zahl an Punkten enthalten, darunter natürlich das Startdatum und das Ende des Praktikums, die genaue Definition der Aufgaben und Tätigkeiten also Praktikumsziele, die Arbeitszeit und die Höhe der Vergütung und die Modalitäten seiner Bezahlung. Es ist aber zu beachten, dass Praktikanten in Unternehmen in keinem Fall Aufgaben übernehmen sollen, die einem regulären Arbeitsplatz entsprechen oder einen abwesenden Mitarbeiter ersetzen. Und selbst wenn die Praktikumsvereinbarung unterzeichnet ist, kann die Sozialversicherung prüfen, ob der Praktikant die Aufgaben bewerkstelligen kann oder nicht.

Sie haben die Bezahlung schon erwähnt, wie sieht es damit aus?

OJ: Generell ist die Regel, dass Praktika, die länger als zwei Monate gehen, vergütet werden müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Praktikum am Stück oder mit Unterbrechung absolviert wird. Allerdings liegt die Vergütung natürlich unter dem Gehalt festangestellter Mitarbeiter. Denn ein Praktikant ist kein Angestellter. Praktika, die kürzer als zwei Monate sind, müssen nicht vergütet werden. Aber nichts hindert ein Unternehmen daran, es trotzdem zu tun.

Wie hoch sollte die Vergütung sein?

OJ: Wenn nichts anderes im Vertrag festgeschrieben wird, beträgt die derzeit gültige Vergütungshöhe 12,5 Prozent des maximalen Beitragssatzes zur Sozialversicherung. 2012 waren das 23 Euro, was monatlich 436,05 Euro entspricht, wenn man von einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden ausgeht. Wird der Praktikumsvertrag aufgehoben oder gekündigt, dann wird dieser Betrag anteilig nach der Länge des abgeleisteten Praktikums berechnet. Allerdings ist die Vergütung nicht mit den Spesen des Praktikanten verrechenbar. Die Zahlung ist vom ersten Tag des Praktikums fällig und muss monatlich erfolgen.

Muss ein Arbeitgeber auch Sozialabgaben zahlen?

OJ: Nein. Die Vergütung für Praktikanten ist von Sozialabgaben befreit. Somit müssen nicht noch zusätzliche Sozialversicherungs- und andere Beiträge gezahlt werden, sofern der Rahmen der oben erwähnten 436,05 Euro eingehalten wird.

Und wie lange sollte ein Praktikum dauern?

OJ: Die Dauer wird im Vertrag festgehalten. Normalerweise kann ein Student pro Ausbildungsjahr maximal sechs Monate in ein und demselben Unternehmen ein oder auch mehrere Praktika machen. Die Dauer berechnet sich nach Kalendertagen, es spielt keine Rolle, wie viele Stunden pro Monat ein Praktikant tatsächlich arbeitet. Gleichzeitig darf ein Praktikant nur innerhalb der gesetzlich geregelten Arbeitszeiten tätig sein.

Sollte man zwischen Praktika eine Pause einlegen?

OJ: Ja, es geht auch gar nicht anders. Um zu vermeiden, dass zwei Praktikanten, die jeder für sich einen eigenen Praktikumsvertrag unterzeichnet haben, sich unmittelbar auf demselben Posten folgen, sieht das Gesetz eine Wartezeit zwischen der Einstellung von zwei Praktikanten vor, die bei einem Drittel der vom vorangehenden Praktikanten abgeleisteten Zeit liegt.

Was muss man beachten, wenn man den Praktikanten anschließend einstellen möchte?

OJ: Wenn Sie einen Praktikanten nach Beendigung des Praktikums einstellen möchten, dann muss in der Regel die Dauer des Praktikums von der Probezeit abgezogen werden. Sofern nicht andere Abmachungen vorliegen, sollte die Probezeit aber nicht um mehr als 50 Prozent gekürzt werden.
Die Probezeit kann ganz entfallen, wenn sich die Tätigkeiten des übernommenen Praktikanten nicht unterscheiden.
Zu beachten ist außerdem, dass bei Praktika, die länger waren als zwei Monate, diese Zeitspannne bei der Vertragserstellung in die Berufserfahrung miteinberechnet werden muss.

Ergänzende Information gibt es bei der URSAFF, bei der Assurance Maladie oder beim offiziellen Portal der französischen Verwaltung.

A propos de l'auteur

Jérôme Lecot

Directeur Associé - Recruteur Franco-allemand, Eurojob-Consulting

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