Die Zweigniederlassung in Frankreich

Publiée le 24 octobre 2012, par Jérôme Lecot

Sie wollen sich mit Ihrem Unternehmen in Frankreich niederlassen und denken über die Gründung einer Zweigniederlassung nach? Sie wollen sich über Vor- und Nachteile dieser Rechtsform, über französische Regelungen und Gegebenheiten informieren? Dann lesen Sie hier alles Wissenswerte über die Zweigniederlassung!

Definition der Zweigniederlassung (Etablissement stable)

Im Vergleich zu anderen Niederlassungsformen bietet die Zweigniederlassung den Vorteil, dass sie eine große Handlungsfreiheit gewährleistet, welche sich in der Möglichkeit, direkt und selbstständig mit den Kunden Verträge abschließen zu können, manifestiert. Die Rechnungsstellung erfolgt dabei ebenfalls vor Ort. Will eine ausländische Gesellschaft sich erstmals in einem anderen Land ansiedeln, bietet die Zweigniederlassung eine gute Grundlage für die Durchführung kaufmännischer Tätigkeiten. Lediglich erforderlich sind eine gesonderte Buchhaltung und eine geänderte Organisation. Eine solche Niederlassung gilt für die von ihr durchgeführten Tätigkeiten in Frankreich als steuerbar (établissement stable).

Man spricht von einer Zweigniederlassung, wenn die Exportabteilung des deutschen Unternehmens nach Frankreich ausgelagert und somit vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt als eigenständiges Unternehmen betrachtet wird, welches in Frankreich für den Vertrieb von Waren zuständig ist und über eine Vollmacht verfügt, die zum Abschluss von Kaufverträgen berechtigt. Für die Zweigniederlassung gilt somit französisches Recht in Bezug auf Geschäftsabschluss und Buchführung und die erzielten Gewinne sind in Frankreich zu versteuern. Allerdings wird keine Satzung nötig, und die Kapitalausstattung kann je nach Bedarf und Wunsch erfolgen.

Vom rechtlichen Standpunkt aus betrachtet, ist die Zweigniederlassung allerdings kein eigenständiges Unternehmen, keine eigene juristische Einheit, sondern eine Außenstelle des deutschen Konzerns, der als Vertragspartner verantwortlich ist für alle auch in Frankreich ausgehandelten Kunden- und Arbeitsverträge, sei es als juristische Person bei Kapitalgesellschaften oder bei Personengesellschaften auf der Ebene der Gesellschafter. Die Zweigniederlassung steht unter der Leitung eines gesetzlichen Vertreters und funktioniert wie eine Vertretung, die dem Sitz angegliedert ist, jedoch ohne dass Entscheidungen speziellen Formalitäten unterliegen. Die volle Haftung übernimmt die Muttergesellschaft.

Welche Vorteile bzw. Nachteile beinhaltet die Zweigniederlassung?

Abgesehen von der hohen Marktpräsenz bietet die Zweigniederlassung auch noch weitere Vorteile: die Gründungsformalitäten sind relativ unkompliziert, die Organisationsstruktur ist flexibel, die Kosten sind gut überschaubar, die Kapitalisierung kann frei gestaltet werden und dennoch herrscht eine enge Bindung an die Geschäftspolitik des deutschen Unternehmens. Eine Zweigniederlassung bietet sich vor allem für erstmalige Investitionen an, die zunächst getestet oder zeitlich begrenzt umgesetzt werden sollen, denn eine Tochtergesellschaft weist sehr viel aufwändigere Formalitäten bezüglich Gründung und Liquidation auf.

Allerdings hat auch die Zweigniederlassung einen nicht zu vernachlässigenden Nachteil, es fehlt die Haftungsabschottung, da sie weder über eine eigene Rechtspersönlichkeit noch über ein Mindestkapital verfügt. Somit haftet das deutsche Unternehmen uneingeschränkt für alle Verbindlichkeiten der Niederlassung in Frankreich. Außerdem erschweren die nicht vorhandene Rechtspersönlichkeit und die Kapitalstruktur sehr häufig die externe Kapitalbeschaffung (Förderprogramme, Banken) und wirken sich zuweilen auch negativ bzw. hemmend auf den Vertrauensaufbau zu neuen Kunden im französischen Zielmarkt aus. Probleme kann es auch bei der internen steuerlichen Abgrenzung zwischen dem Ergebnis des Stammhauses und der Zweigniederlassung geben. Eine Schwachstelle liegt zudem in der Pflicht, den Jahresabschluss des Stammhauses bei der Steuererklärung im Ausland offen legen zu müssen.

Sollte man zu einem späteren Zeitpunkt beabsichtigen, die Zweigniederlassung in eine Tochtergesellschaft umzuwandeln, muss man die speziellen Vorschriften sowohl bezüglich der Veräußerung von Betriebsvermögen als auch der steuerlichen Abgaben beachten.

Mehr Informationen zu den einzelnen Niederlassungsformen sowie zu den Grundlagen des Gesellschaftsrechts in Frankreich finden Sie hier:

A propos de l'auteur

Jérôme Lecot

Directeur Associé - Recruteur Franco-allemand, Eurojob-Consulting

cabinet de recrutement franco-allemand et européen

Consultez-nous gratuitement pour discuter de vos projets

Faites-nous part sans engagement de vos besoins et de vos exigences. Un interlocuteur unique est à votre écoute

Contactez-nous