Gehalts- und Lohnabrechnung in Frankreich: Worauf sollte man achten?

Veröffentlicht am 11 Februar 2014, von Eureo

Nicht nur in Frankreich ist es üblich, dass ein Arbeitgeber seine Angestellten für die Arbeit, die sie liefern, bezahlt. Ein einfaches Prinzip, allerdings gibt es seitens der Arbeitgeber bei der Gehaltsabrechnung eine Reihe von Regeln zu beachten, die hier kurz vorgestellt werden.

Das Gehalt unterliegt der Sozialversicherungspflicht

Das erste, was auf jeder Lohnabrechnung in Frankreich stehen muss, ist das Bruttogehalt. Das setzt sich aus mehreren Elementen zusammen: Dem Grundgehalt, das den konstanten Anteil des Gehalts darstellt und das dem Angestellten laut Vertrag ausgezahlt werden muss; den Pflichtprämien (vorgesehen laut Vertrag oder Tarifvertrag) oder den optionalen Prämien (vom Arbeitgeber bezahlt, ohne jede Verpflichtung unabhängig von ihrem Grund, wie Dienstalter, Fleiß, …), den Provisionen, bei denen die Höhe allgemein von den erreichten Erfolgen abhängt und die einen wichtigen Part der Bezahlung für manche Angestellten darstellen, besonders von jenen im kaufmännischen Bereich, und den Bezahlungen der Überstunden.

Daneben sollte man nicht vergessen, Sachleistungen miteinzubeziehen. Dabei kann es sich beispielsweise um Verköstigung, dem Bereitstellen von Wohnraum, eines Dienstwagens oder eines Computers handeln, dessen Wert geschätzt wird und anschließend auch ins Bruttogehalt mit einfließt.
Im Gegenzug sind aber Erstattungen für Geschäftsausgaben des Angestellten nicht im Bruttogehalt enthalten.

Schließlich müssen bei der Gehaltsabrechnung eines Mitarbeiters verschiedene Ereignisse, die während der Arbeitsbeziehung auftreten können, miteinbezogen werden. Dabei kann es sich um bezahlten Urlaub, Mutterschutz, Abwesenheit wegen Krankheit, Arbeitsunfälle oder Vertragsbruch handeln.

##Die Sozialbeiträge

Ist das Bruttogehalt einmal festgelegt, kann anhand dessen die Höhe der Sozialbeiträge berechnet werden. Dabei unterscheidet man zwei Typen: Arbeitnehmerbeiträge aus dem Bruttolohn und Beiträge seitens des Arbeitgebers. Es gibt fast ein Dutzend Beiträge insbesondere zur Finanzierung der Sozialversicherung, der Arbeitslosenversicherung, Wohngeld, Zusatzrenten und auch die Lohnausfallkasse. Manche werden anhand des Gesamtbruttogehalts berechnet, andere anhand eines bestimmten Teils.

Bezüglich der geltenden Steuersätze sind sie manchmal festgelegt, manchmal variabel und in allen Fällen regelmäßigen Änderungen unterworfen.

Regeln, die bei einer Gehaltsabrechnung beachtet werden müssen

Wenn das französische Arbeitsgesetzbuch nicht eine bestimmte Form der Gehaltsabrechnung vorgibt, erfordert es von der jeweiligen Einrichtung, genaue Regeln zu beachten. Die Gehaltsabrechnung sollte auf jeden Fall Angaben zur Person des Angestellten enthalten. Es sollte möglich sein, den Angestellten zu identifizieren, Angaben zum Gehalt und zu Sozialabgaben sollten ebenfalls enthalten sein. Tabu sind Erwähnungen zum Streikrecht oder Tätigkeiten im Betriebsrat oder bei einer Gewerkschaft. Art und Bezahlung solcher Tätigkeiten dürfen nicht in der Abrechnung auftauchen, außer in kodierter Form, die der Angestellte entschlüsseln kann.

Aushändigung und Aufbewahrung der Gehaltsabrechnung

Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, seinen Angestellten eine Gehaltsabrechnung auszustellen, und zwar jeweils im Moment der Gehaltszahlung. In aller Regel handelt es sich dabei um ein Stück Papier. Allerdings ist es auch möglich, dass die Abrechnung in elektronischer Form zugestellt wird. Dazu muss aber eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und -nehmer vorliegen, in der die Zuverlässigkeit der Angaben garantiert wird. Wenn das Arbeitsgesetzbuch Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Abrechnungen in doppelter Ausführung für 5 Jahre aufzubewahren, bleiben die Zettel meist mindestens 10 Jahre beim Unternehmen. So sollen die Firmen in die Lage versetzt werden, auf mögliche Nachforderungen, etwa in Sachen Zusatzrente, auch später noch reagieren zu können. Die Abrechnungen können dabei sowohl in Papier- als auch in elektronischer Form aufbewahrt werden.

Pflichtangaben auf der Abrechnung

  1. Name und Anschrift des Arbeitnehmers;
  2. Angaben zur Organisation, an die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden, einschließlich der Nummer, unter der diese Beiträge abgeführt werden;
  3. Der APE-code und, so Platz ist, der Titel des in der Branche gültigen Tarifvertrags;
  4. Name des Arbeitnehmers, seine Stellenbezeichnung und die Position, die er in der Unternehmenshierarchie einnimmt, gemäß der herkömmlichen Klassifizierung;
  5. Zeitraum und Anzahl der Arbeitsstunden nach denen sich das Gehalt richtet, wobei wenn nötig die normal bezahlten Stunden und mit Sondervergütung versehene Stunden, etwa Überstunden, unterschieden werden müssen. Bei Sondervergütung muss deren Höhe angegeben werden;
  6. Gegebenenfalls Art und Umfang von Pauschalen, wenn für den Arbeitnehmer eine Vereinbarung über Wochen - oder Monatspauschalen besteht, in Stunden oder jährlich in Stunden oder in Tagen;
  7. Angaben zur Berechnungsgrundlage des Gehalts, sofern die Basis nicht die Dauer der Arbeit ist (etwa bei Freien Mitarbeiter oder Handelsreisenden);
  8. Art und Umfang von Sonder- oder Bonuszahlungen wie etwa die Dienstalterzulage;
  9. Bruttogehalt;
  10. Art und Höhe von Zuschlägen und Abzügen in Bezug auf den Bruttolohn (Arbeitnehmerbeiträge...);
  11. Art und Höhe von Lohnzuschlägen, die keine Beiträge sind, wie zum Beispiel Spesen;
  12. Höhe des Nettogehalts;
  13. Datum der Nettogehaltszahlung;
  14. Die genommenen Urlaubstage, mit Datum des Urlaubsbeginns und die Höhe der entsprechenden Ausgleichszahlung
  15. Höhe der übernommenen Transport- oder Fahrtkosten;
  16. Empfehlung des Arbeitgebers an den Angestellten, die Abrechnung unbefristet aufzubewahren

Vorsicht!

Arbeitgeber, die diese Regeln bei der Lohnabrechnung nicht einhalten, können mit einer Geldbuße von 450 Euro bestraft werden, wenn es sich um eine natürliche Person handelt, und mit 2250 Euro, wenn es sich um eine juristische Person handelt. Wer außerdem dem Arbeitnehmer absichtlich keine Abrechnung aushändigt oder eine niedrigere Stundenzahl als die tatsächlich gearbeitete angibt, macht sich der Schwarzarbeit schuldig und riskiert bis zu 3 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 45.000 Euro für natürliche Personen und 22.5000 Euro für juristische Personen.

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